Makrozoobenthos ist der Fachbegriff für wirbellose Tiere, die im Gewässer leben, wie Eintagsfliegenlarven oder Bachflohkrebse. Welche dieser Tiere in einem Bach anzutreffen sind, lässt Rückschlüsse darauf zu, ob Chemikalien ihn belasten. Sie voneinander zu unterscheiden, ist daher wichtig für die Beurteilung der Gewässergüte.
Der Raum, in dem wir Platz nehmen, ist für ein Naturkundemuseum typisch: Wir sitzen zwischen ausgestopften Enten, einem Marder und einem Eisvogel. Außer uns dreien sind zehn weitere Teilnehmende aus ganz Deutschland dabei. Sie nutzen wie wir die Gelegenheit, um mehr über Bäche und ihre kleinen Bewohner zu erfahren. Unser Ziel ist es, zu lernen, wie wir die Tiere bestimmen können, um sie bei ihrem richtigen Namen zu nennen.
Das FLOW-Team
Die Schulung wird vom FLOW-Team angeboten und richtet sich an Menschen, die sich am gleichnamigen Citizen-Science-Projekt beteiligen. Roland Bischof, Projektmitarbeiter beim Deutschen Angelfischerverband, leitet sie. Ihn unterstützen Dominik Borrmann, Experte für Köcher- und Eintagsfliegen, und Gemma Burgazzi vom Umweltforschungszentrum in Leipzig.
Unter dem Binokular
Gemma befördert aus ihren Taschen Fläschchen zutage. In jedem befinden sich mehrere Exemplare einer Art, konserviert in Alkohol. Nach und nach legt sie Tiere in Petrischalen und reicht diese an uns weiter. Jede Schale enthält Vertreter einer Gruppe der Wirbellosen.
Wir platzieren die Petrischalen unter den Objektiven unserer Binokulare und beugen uns darüber. Ich betrachte jedes Tier und versuche, Merkmale, die ich registriere, mit Beschreibungen im FLOW-Bestimmungsheft zu vergleichen. Meist sehen sich die Tiere sehr ähnlich. Viel zu selten kann ich sie auf den ersten Blick voneinander unterscheiden. Durch die Vergrößerung des Binokulars erkenne ich die Tiere zwar gut, trotzdem fällt es mir schwer, sie zu bestimmen. Obwohl sich die Tiere nicht bewegen, verliere ich als Ungeübter schnell den Blick für das Wesentliche. Zu viele Details, zu viele Merkmale drängen in mein Blickfeld. Umso mehr freue ich mich über jedes Tier, das ich richtig benenne.
Zum Glück kommt Gemma an unsere Arbeitsplätze und bietet ihre Hilfe an. Sie kennt Köcherfliegen und Co. sehr gut, stellt Fragen und lenkt unsere Blicke auf hilfreiche Details:
„Wo sitzen die Kiemen?“
„Bestehen sie aus mehreren Ästchen?“
„Aus wie vielen Segmenten besteht der Hinterleib?“
„Hat der Kopf Punkte?“
„Wie sehen die Antennen aus?“
Was mir allein nicht auffiel, wird mit ihrer Hilfe plötzlich deutlich.
Vom Detail zum Ganzen
Zum Abschluss richtet Roland den Blick vom Detail auf die Zusammenhänge. Der Zustand vieler Bäche in Deutschland ist nicht gut, gleichzeitig wissen wir zu wenig über sie. Diese Lücke schließt das FLOW-Projekt. Die Frage, die es stellt, lautet: „Wie geht es dem Bach?“ Um sie zu beantworten, untersuchen FLOW-Gruppen an ihrem Gewässer nicht nur das Makrozoobenthos. Sie nehmen außerdem die Gewässerstruktur in Augenschein und messen chemisch-physikalische Werte des Wassers. Die Ergebnisse der drei Untersuchungsteile zeichnen zusammen ein Bild vom ökologischen Zustand des Baches.
FLOW-Termine 2026
Als Angelverein liegen uns Gewässer am Herzen. Seit 2020 beteiligen wir uns deshalb am Gewässermonitoring FLOW und untersuchen Bäche im Stadtgebiet von Jena. In diesem Jahr widmen wir uns am 18.04.2026 einem Abschnitt der Leutra im Süden von Jena. Am 06.06.2026 untersuchen wir den Gembdenbach in Jena-Ost. Die Termine und Informationen zum jeweiligen Treffpunkt sind auf unserer Internetseite zu finden:
Wir freuen uns über tatkräftige Unterstützung – sei es für den ganzen Tag oder auch nur für Stunden. Interessierte können sich unter flow@angeln-in-jena.de anmelden.