Außer am Gries trafen sich an acht weiteren Orten in Jena, Bürgerinnen und Bürger, Groß und Klein, um ihren Fluss vom Müll zu befreien. Jahr für Jahr häuft sich eine Menge davon in der Saale, an den Ufern und in angrenzenden Wiesen und Gebüschen an.
Auch Angeln in Jena war dabei. Über 50 Vereinsmitglieder zogen sich Handschuhe an, nahmen Müllgreifer und Eimer und schwärmten aus. Was in drei Stunden zusammenkam, war erschreckend. Vom 1,5 m großen Plüschbären über Kanister und Flaschen bis zu Kronkorken und Zigarettenkippen reichte die Palette. In der Summe eine große Menge Zeugnisse unserer Wegwerfgesellschaft.
Alltagsmüll auf Schritt und Tritt
Vieles von dem, das wir aufhoben, war banaler Alltagsmüll, gedankenlos weggeworfen. Ja, die Helferinnen und Helfer fanden Spektakuläres wie leere Kanister und Straßenschilder oder den Plüschbären. Meist bückten wir uns aber nach Flaschen, Plastik, Taschentüchern und Zigarettenkippen. Dinge, die offenkundig Spaziergänger oder Radfahrer fallen ließen oder die nach einem Toilettengang im Gebüsch zurückblieben. Dabei gehört es zum Allgemeinwissen in Sachen Umweltschutz, welchen Schaden sie anrichten:
Eine Zigarettenkippe verschmutzt bis zu 1000 Liter Wasser.
Es dauert bis zu fünf Jahre, bis ein Taschentuch verrottet ist (für Toilettenpapier hingegen braucht die Natur nur sechs Monate).
Ein Kaffeebecher ist in 50 Jahren noch da.
Abfall ist aber nicht nur ein ökologisches Problem, er ist auch ein ästhetischer Bankrott: Müll in der Landschaft ist hässlich. Die Zigarettenkippe beleidigt die Schönheit des Märzveilchens.
Gembdenbachputz
Gut zwei Wochen vor dem Saaleputz sammelte eine Gruppe von Angeln in Jena Müll entlang eines Abschnitts des Gembdenbaches. Das Bild unterschied sich kaum vom Saaleputz. Es landete vor allem Alltagsmüll in den Eimern: Flaschen, Dosen, Plastikmüll.
Landschaftsputz als Gewohnheit
Wie wäre es, Müll nicht nur zu besonderen Anlässen zu sammeln? Wie wäre es, stattdessen Landschaft stetig zu putzen, bei jedem Spaziergang, bei jeder Radtour? Eine Tüte und ein paar Arbeitshandschuhe passen in jede Tasche; Bonbonpapier, Kronkorken und was uns sonst ins Auge fällt, aufzuheben, kostet wenig Mühe. Zu Hause wandert der gesammelte Müll in die Abfalltonne und kann draußen keinen Schaden mehr anrichten.
Noch besser wäre es freilich, unser Abfall landete erst gar nicht in der Landschaft. Das zu hoffen, wäre jedoch vergebens. Also treffen wir uns im nächsten Jahr wieder bei Gembdenbach- und Saaleputz und heben auf, was unsere Mitmenschen achtlos wegwarfen.