Sonntag – Anreise und kulinarischer Auftakt
Die Stimmung war bereits bei der Abfahrt am Bruthaus in Leutra gut. Wir freuten uns auf die gemeinsamen Tage und die Weiterbildung. Einige von uns hatten im Herbst letzten Jahres den Lehrgang Fischereibiologie 1 besucht. Sie erinnerten sich gut an die inspirierenden Tage. Die Fahrt verlief entspannt und reibungslos. Unsere Gespräche kreisten um den Lehrgang und unsere Erwartungen.
Nach der Ankunft bezogen wir unsere Unterkunft und planten unsere Aktivitäten für die nächsten Tage. Viel Zeit nahmen wir uns dafür allerdings nicht, denn es galt, gemeinsam das Abendessen zuzubereiten. Sascha hatte eine Regenbogenforelle mitgebracht, die er am Morgen im Bruthaus extra für uns geschlachtet hatte. Während die Forelle im Ofen garte, schauten wir Angelvideos auf YouTube – wir fachsimpelten, freuten uns auf den Lehrgang und genossen die gemütliche Stimmung.
Unser Abendessen konnte sich sehen lassen: Die Forelle schmeckte hervorragend und war ein perfekter Einstieg in die kommenden Lehrgangstage.
Montag – Angler, Naturschutz und spannende Einblicke
Der erste Lehrgangstag begann entspannt: Der Kurs startete erst um 10:30 Uhr, es blieb also genügend Zeit für ein gemeinsames Frühstück in der Unterkunft.
Nachdem die Lehrgangsleitung alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßt hatte, stiegen wir direkt in den ersten großen Themenblock ein: Fischerei und Naturschutz. Wir setzten uns mit grundlegenden Fragen auseinander: Wie unterschieden sich Umwelt-, Natur- und Tierschutz voneinander? Welche Rolle spielen Angler beim Schutz von Gewässern?
Besonders spannend war die Diskussion über den Zusammenhang von Besatzmaßnahmen und der genetischen Vielfalt von Fischen. Der Referent betonte, dass es nicht nur darauf ankommt, viele Fische in See oder Fluss zu haben. Entscheidend ist, die genetische Anpassung der Tiere an ihr Gewässer zu erhalten. Besatzfische unterscheiden sich mitunter genetisch deutlich von natürlichen Beständen. Vermischen sich beide Populationen, kann das dazu führen, dass wichtige Anpassungen verloren gehen – etwa an Strömung, Temperatur oder Laichzeiten.
Besser als kontinuierlicher Besatz sind gezielte Maßnahmen am und im Gewässer, die es den Fischen ermöglichen, sich natürlich fortzupflanzen. Eine weitere Alternative zu herkömmlichem Besatz ist es, Elterntiere aus dem Zielgewässer zur künstlichen Aufzucht von Jungfischen zu nutzen. Nach den Diskussionen fühlten wir uns bestätigt, mit unserer Arbeit in Jena den richtigen Weg zu verfolgen.
Am Nachmittag ging es um Krebse und Muscheln. Der Referent stellte einheimische und invasive Arten vor. Er erklärte Bestimmungsmerkmale, Lebensweise und Verbreitung der verschiedenen Tiere. Sogar zwei lebende Flusskrebse hatte er dabei, ein Weibchen und ein Männchen. Das war schon etwas Besonderes, denn oft sind die Tiere leider nicht mehr zu finden.
Der erste Lehrgangstag endete um 17 Uhr. Mit vollen Köpfen und erschöpft fuhren wir zurück in die Unterkunft und ließen den Tag entspannt ausklingen.
Dienstag – Gewässer verbessern statt nur bewirtschaften
Am zweiten Kurstag standen Gewässermanagement und praktische Projekte auf der Tagesordnung. Ein Vortrag beschäftigte sich mit aktuellen Entwicklungen im Landesfischereiverband Westfalen und Lippe. Anschließend ging es darum, wie Gewässer konkret zu verbessern sind. Besonders interessant war ein Praxisbeispiel zur Habitatverbesserung in Stillgewässern: Schon einfache Maßnahmen, etwa das Aufstellen von Wildzäunen um Schilfzonen, schützen die sensiblen Flachwasserzonen. Diese Bereiche bieten Jungfischen Deckung und fördern die Entwicklung naturnaher Uferstrukturen.
Weitere Themen des Tages waren ein Quappenprojekt, ein Forschungsprojekt zum Europäischen Aal und Fragen zur Bewertung von Gewässerpachten.
Während eines Vortrags führte eine Situation zu allgemeiner Erheiterung im Kurs. Als Max eine Zwischenfrage stellte und erwähnte, dass wir aus Jena kommen, reagierte die Referentin überrascht mit der Frage: „Und was macht ihr dann hier in NRW?“
Zurück in der Unterkunft entwickelte sich ein intensiver Austausch über Angeln, Gewässer und unsere Vereinsarbeit. Spontan banden einige von uns ein paar Fliegen aus natürlichen Materialien. Federn und Tierhaare stammten vom Ufer der Saale.
Mittwoch – Durchgängige Gewässer sind der Schlüssel
Der letzte Kurstag begann früh um 8 Uhr, außerdem mussten wir vorher noch die Unterkunft übergeben. Von gemütlichem Frühstück war an unserem letzten Tag also keine Rede.
Schwerpunkt des Tages war die Durchgängigkeit von Fließgewässern. Als weitere Themen standen die Europäische Wasserrahmenrichtlinie, Grundlagen der Fließgewässerökologie und Fischtransport auf dem Programm.
Wesentlich für die Durchgängigkeit sind Fischaufstiegsanlagen. Anhand verschiedener Beispiele zeigte der Referent, dass diese funktionieren, wenn sie richtig geplant, gebaut und betreut werden. Außerdem berichtete er von Projekten, die sich bemühen, Lachs und Maifisch wieder anzusiedeln.
Wir dachten sofort an die Querbauwerke und Fischaufstiegsanlagen in der Saale und nahmen einige interessante Gedanken mit nach Jena. Ein Satz aus dem Kurs blieb besonders hängen: „Man muss manchmal einfach penetrant nervig bleiben.“ Gemeint war damit, dass Renaturierungsmaßnahmen oder Genehmigungsverfahren Geduld erfordern – und nicht selten auch eine gute Portion Hartnäckigkeit.
Drei Tage voller Austausch
Neben dem neuen Wissen, das wir mitnahmen, war für uns vor allem der Austausch untereinander wertvoll. Wir vier kommen aus unterschiedlichen Bereichen der Angelei und Vereinsarbeit. Das sorgte für spannende Diskussionen und neue Perspektiven.
Angeln ist mehr als Fische fangen
Es waren drei intensive Tage mit vielen neuen Informationen und wertvollen Ideen für die künftige Arbeit an unseren Gewässern. Der Lehrgang bestätigte, was wir vier schon vorher wussten: Angeln ist mehr als Fische fangen.
Wer sich intensiv mit Gewässern beschäftigt, erkennt, wie komplex diese Ökosysteme sind. Und sie oder er erkennt noch etwas anderes: Wer angelt, sollte sich aktiv für Bäche, Flüsse und Seen einsetzen. Dazu gehört unter anderem, Lebensräume zu verbessern, die natürliche Fortpflanzung von Fischen zu fördern, Barrieren abzubauen und Maßnahmen langfristig zu begleiten. Wie das in Jena konkret aussehen könnte, darum drehten sich unsere Gespräche während der Heimreise.