Bachforelle mit roten und schwarzen Punkten wird beim Fliegenfischen schonend in einem gummierten Kescher gehalten.
Farbenprächtige Bachforelle aus der Sava Bohinjka.

Veröffentlich am 7. November 2026 by Benjamin Gottfried

Fliegenfischen in Slowenien - zwischen Traum- und Besatzfischen

Glasklares Wasser, beeindruckende Berglandschaften und wunderschöne Forellen: Für Fliegenfischer ist Slowenien ein beliebtes Reiseziel. Aber halten die slowenischen Flüsse, was Hochglanzbroschüren und Internetseiten versprechen? Im September verbrachte ich zwei Angeltage an der Sava Bohinjka. Ich fing viele Forellen, beobachtete jedoch auch manches, das mich nachdenklich zurückließ. Ein Artikel über die Faszination des Fliegenfischens, Fischbesatz und die Frage, was ein gutes Angelgewässer ausmacht.

Fliegenfischen vor traumhafter Bergkulisse

Wer zum Fliegenfischen nach Slowenien reist, hat bestimmte Bilder im Kopf: klares Wasser, Berge, Kiesbänke und Forellen, die in tiefen Gumpen stehen. Mit meiner Frau verbrachte ich einige Urlaubstage in der Region. Ich wollte die Gelegenheit nutzen, um Zeit mit der Fliegenrute am Wasser zu verbringen und mir selbst ein Bild von der Fischerei zu machen.
In den ersten Urlaubstagen hatte ich verschiedene Flussabschnitte erkundet, von Brücken ins Wasser geschaut und andere Fliegenfischer beobachtet. Dabei waren mir viele Fische aufgefallen. Neben zahlreichen Bach- und Regenbogenforellen entdeckte ich sogar einen Huchen von geschätzten 80 bis 90 Zentimetern Größe. Die Vorfreude auf meine Angeltage war entsprechend groß.

Landkarte von Bled und der Sava Bohinjka mit Fliegenfischer-Ausrüstung, Vorfächern und Informationsmaterial für einen Angelurlaub in Slowenien.
Gut vorbereitet zum Fliegenfischen in Slowenien – mit Gewässerkarte, Angelzubehör und Informationen rund um Bled und die Sava Bohinjka.

Nach einem Besuch des Angelladens in Bled stand fest, dass es zwei Angeltage werden sollten. Die Tageskarten sind allerdings nicht günstig: 60 Euro pro Tageskarte sind fällig – und das ist die preiswerte Variante, bei der alle gefangenen Fische zurückgesetzt werden müssen. Wer gefangene Fische entnehmen möchte, muss deutlich mehr bezahlen.

Fliegenfischer steht bei goldenem Sonnenaufgang mit seiner Fliegenrute im Fluss Sava Bohinjka in Slowenien, umgeben von Wald und Morgennebel.
Fliegenfischen im ersten Licht des Tages.

Ein Auftakt nach Maß

Im Vorfeld hatte ich mit Anglern gesprochen. Sie hatten mir erzählt, dass das Fliegenfischen in Slowenien trotz der guten Fischbestände anspruchsvoll ist. Auch von Schneidertagen war die Rede. Meine Erwartungen waren deshalb zurückhaltend: Einen Fisch zu fangen, wäre schön. Sollte es nicht klappen, wollte ich die beeindruckende Landschaft und die Zeit am Wasser genießen.

Am ersten Angeltag klingelte bereits kurz nach fünf Uhr der Wecker. Schließlich wollte ich bei Sonnenaufgang mit der Fliegenrute im Fluss stehen. Für den ersten Morgen hatte ich mir eine Stelle ausgesucht, die unmittelbar unterhalb einer Brücke an einem kleinen Wehr lag. Dort hatte ich in den Tagen zuvor bereits zahlreiche Forellen beobachtet. Noch vor Sonnenaufgang stand ich als einziger Angler im Wasser – und noch während meine Frau am Ufer ihren ersten Kaffee genoss, hing bereits die erste Bachforelle an der Fliege.

Bachforelle mit roten Punkten wird von einem Fliegenfischer vorsichtig im wassergefüllten Kescher gehalten.
Eine wunderschöne Bachforelle aus Slowenien.

Bei der einen blieb es nicht

In den folgenden anderthalb Stunden ging es Schlag auf Schlag. Bachforellen und Regenbogenforellen bissen auf die angebotenen Streamer. Darunter waren eine Bachforelle von knapp 50 Zentimetern und eine ähnlich große Regenbogenforelle. Am Ende hatte ich ungefähr 20 Forellen gefangen und sicherlich 50 Bisse erlebt. Ein Auftakt, der meine Erwartungen bei Weitem übertraf.

Anschließend wollte ich einen weiteren Flussabschnitt aufsuchen. Am Parkplatz trafen wir Martin, einen Fliegenfischer aus Tschechien, der gerade seine Ausrüstung vorbereitete. Da er kein Deutsch sprach, verständigten wir uns mithilfe einer Übersetzungs-App. Schnell kamen wir ins Gespräch und Martin schlug vor, gemeinsam eine vielversprechende Stelle aufzusuchen.

Fliegenfischer mit Wathose und Rucksack wandert über eine grüne Wiese, auf der eine braun-weiße Kuh unterwegs ist.
Unterwegs zum nächsten Angelplatz – beim Fliegenfischen in Slowenien gehören tierische Begegnungen manchmal einfach dazu.

Der Weg dorthin führte quer über eine Kuhweide, auf der neben Kühen auch einige Bullen standen. Während wir die Situation skeptisch betrachteten, war Martin überzeugt, dass uns die Tiere nichts tun würden.

Wir vertrauten seiner Einschätzung und erreichten schließlich unversehrt einen uns bislang unbekannten Flussabschnitt. Auch hier ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten. Innerhalb einer Stunde fing ich sechs weitere Regenbogenforellen bis knapp unter 50 Zentimeter. Mir fiel auf, dass sich die Forellen optisch, aber auch im Drill voneinander unterschieden: Bei einigen vermutete ich, dass sie im Fluss aufgewachsen waren, andere wirkten auf mich wie erst kürzlich eingesetzte Besatzfische.

Zu diesem Zeitpunkt überwog allerdings noch die Begeisterung über die erfolgreiche Fischerei.

Nahaufnahme einer Regenbogenforelle mit orange-schwarzem Streamer im Maul, die in einem wassergefüllten Kescher liegt.
Erfolgreich mit dem Streamer: Eine prächtige Regenbogenforelle.

Natürliche Reproduktion und intensiver Fischbesatz

Während der Mittagspause führte mich mein Weg erneut in den Angelladen in Bled. Durch die zahlreichen Fischkontakte und einige verlorene Streamer war mein Vorrat deutlich geschrumpft. Beim Einkaufen kam ich mit der Verkäuferin ins Gespräch. Sie wollte wissen, wie mein erster Angeltag gelaufen war. Als ich ihr von den vielen gefangenen Forellen erzählte, freute sie sich mit mir und wir kamen auf die Fischbestände und die Bewirtschaftung der Sava Bohinjka zu sprechen. „Bachforellen und Regenbogenforellen vermehren sich im Fluss auf natürliche Weise“, sagte sie.

Auch Äschen kommen vor, in dem von mir befischten Abschnitt allerdings offenbar nur in geringer Zahl. „Gleichzeitig wird regelmäßig mit fangfähigen Forellen besetzt“, ergänzte sie. Ihre Begründung dafür war recht pragmatisch: Die zahlreichen Angeltouristen bezahlen viel Geld für ihre Tageskarten, erwarten entsprechende Fangerfolge und sollen schließlich auch wiederkommen. Der Angeltourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region.

Am Ende drehte sich unser Gespräch um die Huchen. Dass in der Sava Bohinjka große Exemplare vorkommen, hatte ich selbst sehen können. „Die eingesetzten Forellen sind nicht nur für die Angler, sie sind auch gutes Huchenfutter“, meinte die Verkäuferin schmunzelnd.

Klarer Fluss Sava Bohinjka in Slowenien mit einer lang gezogenen Kiesbank, flachen Stromschnellen und bewaldeten Berghängen.
Die Sava Bohinjka - Wasser, Kiesbänke und abwechslungsreiche Strömungen machen das Fliegenfischen in Slowenien besonders reizvoll.

Am Nachmittag suchte ich noch einen weiteren, deutlich naturnäher wirkenden Flussabschnitt auf. Auch dort hatte ich zahlreiche Bisse und fing einige auffallend helle Bachforellen.  

Insgesamt war mein erster Angeltag also ausgesprochen erfolgreich. Gleichzeitig begann ich, skeptischer auf die Fischerei an der Sava Bohinjka zu blicken: Die hohen Fangzahlen, die Unterschiede zwischen den gefangenen Forellen und die Informationen über den regelmäßigen Besatz warfen Fragen zur Bewirtschaftung des Gewässers auf.

Wenn der Fluss zum Forellenteich wird

Am zweiten Morgen stand ich erneut kurz nach Sonnenaufgang an dem kleinen Wehr. Und wieder bissen die Forellen nahezu ununterbrochen. Innerhalb von zwei bis drei Stunden fing ich über 20 Fische. Die meisten waren etwas kleiner als am Vortag, einige erreichten aber immerhin Längen von rund 40 Zentimetern. 

Was mich am ersten Tag noch begeistert hatte, sah ich inzwischen mit anderen Augen. In dem kleinen Gewässerabschnitt standen auffallend viele Forellen. Bei einem Großteil hatte ich mittlerweile den Eindruck, dass es sich um Besatzfische handelte und nicht um Forellen, die im Fluss aufgewachsen waren. 

Große Regenbogenforelle mit silbrigem Körper und rosa Seitenstreifen liegt mit einem Streamer im Maul in einem gummierten Kescher.
Eine kräftige Regenbogenforelle nach dem erfolgreichen Streamerfang – sicher im Kescher.

Natürlich macht es Spaß, wenn regelmäßig ein Fisch an der Fliege hängt. Doch angesichts der vielen vermutlich eingesetzten Forellen wollte sich die Begeisterung vom Vortag nicht mehr einstellen. Inmitten dieser Berglandschaft erinnerte mich die Fischerei zunehmend an einen gut besetzten Forellenteich. So hatte ich mir das Fliegenfischen in Slowenien nicht vorgestellt.

Fischbesatz direkt von der Brücke

Was ich einige Stunden später beobachtete, bestätigte meine Zweifel an der Gewässerbewirtschaftung. Inzwischen hatte ich einen Flussabschnitt aufgesucht, der genau meinen Vorstellungen von einem natürlichen Forellenfluss entsprach: schnelle Strömung, große Felsen, abwechslungsreiche Gewässerstrukturen.

Ich fischte ein Stück stromabwärts einer Brücke, als ein Transporter dort hielt. Kurz darauf wurden zahlreiche Fische, vermutlich Regenbogenforellen, direkt von der Brücke in den Fluss geschüttet. Aus schätzungsweise zehn Metern Höhe fielen die Fische einfach ins Wasser. 

Fischbesatz an der Sava Bohinjka in Slowenien: Von einer Brücke mit Transportfahrzeug werden Fische in den darunterliegenden Fluss gekippt.
Fischbesatz an der Sava Bohinjka – von einer Brücke aus werden Fische direkt in den Fluss geschüttet.

Mindestens ebenso irritierend wie diese Art des Fischbesatzes war für mich das Verhalten einiger anwesender Angler: Drei Fliegenfischer stellten sich unmittelbar danach an die entsprechenden Gumpen und begannen, die frisch eingesetzten Forellen zu befischen.

Ich stand fassungslos im Wasser.

Gerade noch hatte ich mich über diesen wunderschönen, vergleichsweise naturnahen Flussabschnitt gefreut, und wenige Minuten später musste ich mit ansehen, wie fangfähige Forellen von einer Brücke ins Wasser gekippt und anschließend direkt wieder gefangen wurden.
Mir war die Lust auf Fliegenfischen vergangen. Ernüchtert packte ich meine Sachen und verließ den Fluss.

Wie viel Besatz verträgt ein natürliches Gewässer?

Fischbesatz ist ein Thema, über das auch bei uns immer wieder diskutiert wird. Dass Besatz unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll sein kann, steht für mich außer Frage. Etwa wenn eine ursprünglich heimische Fischart wieder angesiedelt werden soll und die Bedingungen im Gewässer dafür stimmen. Was ich an der Sava Bohinjka erlebt hatte, war allerdings etwas anderes. Nach Auskunft der Verkäuferin vermehren sich dort sowohl Bach- als auch Regenbogenforellen auf natürliche Weise. Trotzdem werden regelmäßig fangfähige Fische eingesetzt, damit die zahlreichen Angeltouristen auf ihre Kosten kommen.

Natürlich kann ich nachvollziehen, dass die Fischerei für die Region wirtschaftlich wichtig ist und die Bewirtschafter den Erwartungen ihrer Gäste gerecht werden wollen. Aber ist es wirklich sinnvoll, in einem Fluss mit einem sich selbst erhaltenden Forellenbestand immer wieder zusätzliche Fische auszusetzen? Ein solcher Besatz kann Konsequenzen haben. Die eingesetzten Forellen konkurrieren mit den vorhandenen Fischen um Nahrung und Standplätze. Auch Krankheiten oder Parasiten können eingeschleppt werden. Und wenn Fische aus anderen Populationen oder Zuchtlinien eingesetzt werden, kann das langfristig Auswirkungen auf die genetische Zusammensetzung der natürlichen Bestände haben.

Wie groß diese Auswirkungen an der Sava Bohinjka tatsächlich sind, kann ich nach nur zwei Angeltagen natürlich nicht beurteilen. Aber ich stelle mir Fragen: Verträgt ein Fluss, in dem sich Forellen auf natürliche Weise vermehren, einen derart intensiven Besatz mit fangfähigen Fischen? Sollte man nicht stärker auf die vorhandenen Bestände und die natürlichen Prozesse im Gewässer setzen?

Die schönsten Fische kamen zum Schluss

Nach einer längeren Mittagspause packte ich am zweiten Angeltag schließlich doch noch einmal die Fliegenrute aus. Diesmal suchte ich mir bewusst einen schnell fließenden, strukturreichen Flussabschnitt aus. Ich hoffte, dort weniger der frisch eingesetzten, fangfähigen Forellen anzutreffen, die vermutlich ruhigere Bereiche aufsuchen.

Kristallklarer Fluss mit türkisgrünem Wasser, sichtbaren Steinen am Flussgrund, großen Felsbrocken und einer Brücke im Hintergrund.
Türkisgrünes Wasser und abwechslungsreiche Strömungen – die Sava Bohinjka ist ein faszinierendes Gewässer für Fliegenfischer.

Tatsächlich zeigte sich hier ein ganz anderes Bild: Die großen Forellen blieben aus, stattdessen entdeckte ich zahlreiche kleinere Fische, die in der Strömung standen. Einige kleine Bach- und Regenbogenforellen konnte ich mit der Fliege überlisten. Ob sie tatsächlich im Fluss aufgewachsen waren, ließ sich natürlich nicht sicher sagen. Doch die Fische und der Gewässerabschnitt machten auf mich einen deutlich natürlicheren Eindruck als die zuvor befischten Stellen.

Kleine junge Forelle mit silbrigem Körper und dunklen Flecken liegt in der nassen Hand eines Fliegenfischers über einem Kescher.
Auch die kleinen Fänge begeistern – eine junge Forelle aus der Sava Bohinjka mit ihrer charakteristischen Zeichnung.

Auch die großen Forellen vom Vortag hatten mir Freude bereitet. Aber hier machte mir die Fischerei auf eine andere Weise Spaß. Ich musste genauer hinschauen, die Strömung lesen und mir überlegen, wo die Fische stehen könnten. Dass am Ende kleinere Forellen an der Fliege hingen, störte mich überhaupt nicht. So waren es ausgerechnet diese kleinen Fische aus der schnellen Strömung, die mir von den beiden Angeltagen besonders in Erinnerung blieben.

Fliegenfischen in Slowenien – ein zwiespältiges Fazit

Die beiden Angeltage an der Sava Bohinjka werde ich so schnell nicht vergessen. Selten habe ich in so kurzer Zeit so viele Forellen gefangen. Dazu kommt eine Flusslandschaft, die allein schon eine Reise wert ist.

Dennoch würde ich unter diesen Bedingungen wohl kein zweites Mal dort angeln. Dabei ist mir bewusst, dass ich als Angeltourist selbst Teil des Systems bin. Mit dem Kauf meiner Tageskarten habe auch ich eine Form der Bewirtschaftung unterstützt, die ich inzwischen kritisch sehe.

Was bleibt, sind viele schöne Erinnerungen, aber auch ein zwiespältiger Eindruck. Die Sava Bohinjka hat mich als Fluss begeistert. Die Art, wie dort für hohe Fangzahlen gesorgt wird, dagegen nicht.