Aufbruch
Es sind einige Jahre vergangen, seitdem ich das letzte Mal mit der Angel auf dem Eis stand. Ich freue mich darauf, es wieder auszuprobieren. Auf der Fahrt machen wir das, was Angler so machen, wenn sie zusammen Zeit verbringen und dabei keine Angel in der Hand halten: Wir diskutieren über Vereinsgewässer, Fischbesatz und Podelsatz. Wenn die Berichte älterer Angler stimmen, gab es in dem Stausee früher viele Zander. Irgendwann wurden es weniger. Heute sind sie selten – trotz sehr viel Besatz durch die Angler-Union . Ob da ein Zusammenhang besteht? Wir wägen ab, werfen Theorien in den Raum, lassen Gedanken kreisen.
Ankommen
Von Jena aus führt die Fahrt nach Podelsatz über die Landstraße zwischen Gernewitz und Schlöben. Auf Höhe einer Bushaltestelle, biegen wir nach links in einen Feldweg ein. Der letzte Abschnitt erfordert etwas Mut, denn der Weg ist verschneit, glatt und voller Schlaglöcher. Schließlich sind wir da. Raus aus dem Auto, rein in die dicken Schichten. Max ist gut vorbereitet. Er macht das nicht zum ersten Mal. Ruckzuck sind zwei Ruten montiert, Knoten und Köder geprüft. Ich trete auf das Eis, genieße den knirschenden Schnee unter meinen Stiefeln und die klare, kalte Luft.
Die ersten Löcher
Max greift zur Axt, stapft über das Eis und beginnt, zwei Löcher in das Eis zu schlagen. Die Eisdecke misst an der Stelle, wo wir stehen, sicher fast 20 cm[tp1] . Bei jedem Schlag mit der Axt, gluckst das Wasser dumpf. Ein kurzer Blick – alles gut. Also weiter, Schlag für Schlag, bis die Löcher groß genug sind. Dann schnell die Maden an den Haken und rein damit ins dunkle Wasser. Jetzt heißt es warten und auf der Stelle tänzeln, um die Füße warmzuhalten.
Warten
Gespannt blicken wir auf die Schwimmer. Ich bin normalerweise kein Ansitzangler, bewege mich lieber am und im Wasser. Werfen, fühlen, führen, hoffen auf den Kontakt mit dem Fisch, das ist meine Welt. Egal ob mit der Fliegen- oder Spinnrute, mich fasziniert der Moment, in dem ich merke, dass ein Fisch meinen Köder attackiert.
Während wir warten, unterhalten wir uns, tauschen Gedanken aus, schimpfen über achtlos weggeworfene Zigarettenstummel auf dem Eis. Dann wieder konzentrierte Stille, ein anerkennendes Nicken beim Blick auf die Pose im Eisloch, das sich scharf vom weißen Schnee abhebt. Es ist ein gutes Gefühl, dort draußen zu stehen.
Bis es dunkel wird
Immer wieder wandern unsere Blicke zwischen den Eislöchern hin und her. Eine kleine Bewegung? Ein Zucken? Nichts. Die Posen bleiben ruhig. Ende Januar haben die Fische eben keinen großen Hunger. Zumindest nicht an diesem Tag. Zumindest nicht auf unsere Köder.
Wir bleiben, bis es dämmert. Die Kälte kriecht in die Finger, aber unsere Gespräche bleiben trotzdem lebendig. An diesem Winternachmittag in Podelsatz beobachten wir keinen Biss, keinen Zupfer, kein Zittern der Posenspitze, und natürlich fangen wir auch keinen Zander. Dennoch nehmen wir uns vor, wiederzukommen, es erneut zu versuchen.
Rückweg
Es schneit und der Rückweg wird wieder abenteuerlich. Reifen im Schnee, Scheinwerferlicht im Flockenwirbel, dazu die aufkommende Müdigkeit. Podelsatz hat was. Und manchmal reicht genau das.
Warnhinweis
Das Betreten von Eisflächen kann Lebensgefahr bedeuten. Bitte nur Eisflächen betreten, die von offizieller Seite freigegeben sind.
Mehr Infos dazu gibt es hier oder im Netz.